HIV – Wie lebe ich damit? Autorenlesung von Matthias Herschwitz

Am 11. November 2017 war bei uns am MSM Matthias Herschwitz aus Berlin für eine Autorenlesung zu Besuch. Er ist 58 Jahre alt und hat fünf Geschwister, er ist homosexuell und seit 25 Jahren HIV-positiv. Er schrieb ein Buch über seine Erlebnisse, Veränderungen und Eindrücke, die er diesbezüglich erfuhr. Es wurde 2009 veröffentlicht und hat den Titel: „Endlich mal was Positives“ Der Autor liest den Schülerinnen und Schülern der 9. Klassen im Rahmen der AIDS-Prävention an unserer Schule daraus vor.

Seine Erzählung beginnt 1992, wo er an einem Samstagabend, unter dem Einfluss von Alkohol, ungeschützten Sex mit einem Mann hatte und sich infizierte. 1994 ging Matthias zu einem Arzt, da er sich nicht gut fühlte. Er bat den Arzt, ihn auch auf HIV zu testen. Dieser Test war positiv. Da er nach der Diagnose als erstes zur Arbeit ging und noch unter dem Eindruck der schockierenden Neuigkeit stand, hat er davon im Büro als erstes erzählt. Seine Kollegen waren geschockt, wollten ihn aber auch unterstützen. Seinen Eltern erzählte er jedoch nie etwas, da sie schon ein Kind verloren hatten und er ihnen keine Angst machen wollte. Er bereut diese Entscheidung bis heute nicht. Seine Eltern sind inzwischen verstorben. Matthias hatte Angst, Sorgen und Fragen. Er wusste nicht, was bevorstand, dachte aber immer noch, dass er es irgendwie schaffen könnte, auch wenn er nicht wusste wie. Er hatte drei zentrale Fragen: Würde es Schmerzen geben, wie würde sein soziales Umfeld reagieren und wie ging es beruflich weiter? Jedoch gab es auf keine dieser Fragen eine Antwort. Seine Hauptmotivation dafür, möglichst normal weiterzumachen, war, dass er nichts an der Infizierung ändern konnte und mit dem Virus leben musste. Das Erste, was er tat, war Leute, mit denen er kaum oder auch gar nichts zu tun hatte, aus seiner Kontaktliste zu löschen. Dies befreie einen total, berichtet er.

Matthias Herschwitz berichtete auch generell über HIV: Beispielsweise darf man in mehr als 50 Länder nicht einreisen, wenn man HIV-positiv ist. Dies ist sehr erschreckend, wenn man überlegt, dass wir Menschen eigentlich wissen sollten, dass HIV nicht direkt ansteckend ist, wenn man sich entsprechend schützt, d.h. z.B. Kondome benutzt. Matthias erzählt uns, dass HIV lange Zeit auch „Schwulenkrankheit“ genannt wurde, weil die AIDS Erkrankung erstmals bei fünf jungen Männern auftrat, die allesamt homosexuell waren. Er betont allerdings, dass die Krankheit nicht nur Homosexuelle betrifft. Zwar sind sie eine Risikogruppe, jedoch kann sich jeder infizieren, der sich nicht richtig schützt. Auch Drogenabhängige sind gefährdet, z.B. wenn sie sich zu mehreren eine Nadel teilen, da man sich das HI-Virus so direkt ins Blut spritzen würde. HIV kann nicht vererbt werden, d.h. eine Mutter gibt das Virus nicht automatisch an ihr ungeborenes Kind weiter, allerdings kann es während der Geburt durch das Blut über die Schleimhäute infiziert werden.

Erstmals trat HIV 1920 in Kongo auf. Durch den Verzehr von Affen wurde das Virus auf Menschen übertragen. Heutzutage kann man sich nicht mehr durch Nahrung infizieren. Man muss betonen, dass HIV nicht heilbar ist, jedoch kann man es „in den Griff“ kriegen. Dafür muss man bis an sein Lebensende Medikamente nehmen, das wären 36 Tabletten am Tag. Eine HIV-Infektion hat zur Folge, dass das Immunsystem extrem geschwächt ist, es verbraucht sozusagen seine Helferzellen. Wenn man genug Helferzellen hat, braucht man keine Tabletten nehmen, wenn das Immunsystem unter 200 Helferzellen fällt, ist eine Medikamenten-Therapie dringend nötig, da man sonst sogar an einer einfachen Erkältung sterben könnte.

Matthias Gerschwitz hat uns gezeigt, dass man als HIV-Infizierter durchaus ein weitgehend normales Leben führen kann. Sein Beispiel macht deutlich, dass Ausgrenzung oder Diskriminierung infizierter Personen ein Zeichen von Unwissenheit und falschen Ängsten ist. HIV ist nicht zwingend ansteckend, solange man sich richtig schützt und grundlegende Dinge beachtet. Die Rote Schleife ist ein Zeichen der Solidarität mit HIV-Infizierten. Der Welt-HIV-Tag ist am 1.Dezember.

Wir danken Matthias Gerschwitz für die sehr informative und außerdem kurzweilige Lesung bei uns.

Lina Niedree, 9d