Einblicke in das Leben der Familie Kamp – Lesung für die Stufe 9

Holocaust? Och, nicht schon wieder! Damit haben wir doch gar nichts mehr zu tun! Doch stimmt das? Denkt doch mal nach! So weit weg ist das alles gar nicht! Denkt nur einmal an die heutige politische Situation zum Beispiel. Dieses Thema rund um den zweiten Weltkrieg und den Holocaust, darf einfach niemals in Vergessenheit geraten, damit sich so etwas wie die Judenverfolgung und das vernichten von Menschen niemals wiederholt. Frau Kammann kam am 8. November an unsere Schule, um an die Reichspogromnacht vom 9.11.1938 zu erinnern und berichtete daraufhin von dem Leben der Familie Kamp. Bevor Frau Kammann begann aus ihrem Buch über deren Geschichte zu lesen, zeigte sie den Schülerinnen und Schülern Bilder der Familie und der Stadt Krefeld, um ihnen einen Eindruck des Geschehens verschaffen zu können. Des Weiteren zeigte sie so auch, dass der Holocaust auch in unseren eigenen Straßen stattfand.

Die Familie Kamp arbeitete in Krefeld, zuerst in der Lederindustrie und später mit Därmen für Fleisch und Wurst. Sie lebten also wie jeder andere zu der Zeit auch. Vorerst galt Krefeld als nicht betroffen vom Krieg, doch auch hier kamen schließlich die SS-Männer. Die Familie floh von Krefeld über Roermond, nach Venlo. Anfangs lebten sie dort auch ganz zufrieden, doch auch in Venlo mussten sie sich bald den Judengesetzen unterwerfen. Aufgrund dessen flohen sie auch aus dieser Stadt. Dieses Mal aber getrennt von ihren Kindern, zogen Inge und Fritz Kamp aufs Land. Als sie aber später von der Gestapo gefasst wurden und im Verhör nach ihren Kindern gefragt wurden, gaben die Eltern den Aufenthaltsort ihrer Kinder nicht preis, obwohl die Gestapo versprach, dass sie mit ihren Kindern zusammenleben könnten. Daraufhin wurden die beiden nach Westerbork deportiert und anschließend in den Zug nach Auschwitz verfrachtet. Dort angekommen, wurden die Geschlechter getrennt und Inge Kamp sah ihren Mann zum letzten Mal, da ihr Mann direkt zur Gaskammer gebracht wurde.

Inge Kamp bekam eine Nummer auf ihren Arm tätowiert, was sie als arbeitsfähig einstufte. Gleich nachdem ihr die Kleider vom Leib gerissen und ihre Haare abrasiert wurden, musste sie harte körperliche Arbeit verrichten und hungerte dabei Tag für Tag. Was diese Frau alles überstanden hat, ist so gut wie unvorstellbar für uns. Nachdem sie von Hitlers Tod gehört hatte, dachte sie der Krieg sei vorbei, jedoch war es daraufhin noch härter für sie. Einige Tage später kam dann die langersehnte Befreiung. Inge Kamp hatte Auschwitz überlebt! Mit dem Zug ging es zurück in die Niederlande, wo sie ihre beiden Kinder wiedersah. Das alles kam ihr wie ein Wunder vor und das ist es wohl auch. Die Eltern von Herrn Kamp waren den Auswirkungen der Nazis erlegen gewesen. Die sechsköpfige Familie war jetzt, nach Ende des Krieges, also nur noch zu dritt.

Nach dieser erschreckenden Erzählung gab Frau Kammann den Schülerinnen und Schülern erst einmal ein paar Minuten Zeit, um sich darüber auszutauschen und die Informationen über das traurige Schicksal der Familie Kamp zu verarbeiten. Anschließend nahm sie sich außerdem die Zeit für Fragen, die sie ausführlich und anschaulich beantwortete. Insgesamt war die Lesung sowohl für die Schüler, als auch für die Lehrer sehr ergreifend. Das alles unterstützte Frau Kammann mit den Bildern der passenden Situation und schaffte es, dass ihr alle gebannt zuhörten, indem sie die Schülerinnen und Schüler immer wieder mit einbezog und sich auch gerne die Zeit nahm, um auf ihre Einwände einzugehen.

Kathrin Treeker Q2