Oppumer Rocknacht im Herbst 2016

1. „Lewinsky“ an unserer Schule 
Eigentlich hatte ich ja vorgehabt, auf meine „alten Tage“ mal etwas kürzer zu treten und in puncto Schulkonzerte den jüngeren Kollegen den Vortritt zu lassen. Aber diese Gelegenheit konnte ich dann doch nicht so unbesehen vorbei ziehen lassen: Schon seit einigen Jahren hatte es immer mal wieder Kontakt mit Dieter Hauschild von der Krefelder Band „Lewinsky“ gegeben, der die Idee einer gemeinsamen Aufführung mit einem Kinderchor hatte. Da Kinder aber nicht nach 22.00 Uhr auftreten dürfen, zerschlug sich das Vorhaben immer wieder. Nun war es also möglich: Bei der Oppumer Rock- und Oldienacht 2016 sollte Lewinsky bereits vor 10 Uhr antreten. Wenn man als Musiklehrer das Angebot bekommt, mit Kindern dort mitzuwirken, sagt man NICHT nein!!

Wir einigten uns auf ein Medley aus „Engel“ von Rammstein, „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten und „Seven Nations Army“, das ich mithilfe eingespielter Playbacks in den Unterstufenklassen einstudierte. Eltern und Schüler waren begeistert. Selbst das A...-Wort ließ man uns durchgehen, wenn ich auch bei einigen lieben Mädchen Mühe hatte, dass sie es überzeugend und aggressiv genug 'rüberbrachten. Da ich für die Oppumer Bühne nur ca. 40 Kinder auswählen konnte, entschieden wir, mit allen anderen Kindern, die die Songs vorher geübt hatten, eine gemeinsame Probe in der Schule durchzuführen. An einem Freitag Ende September, in der zweiten und dritten Stunde, tobte dementsprechend die Aula. Die Jungs von Lewinsky hatten es drauf, die Masse der ca. 250 Schüler/innen in Stimmung zu bringen. Und uns betreuenden Lehrern einschließlich der Schulsekretärinnen (=erklärte Lewinsky-Fans) ging das Herz auf angesichts dieser Freude und Begeisterung, die die Band bei den jungen Menschen auslöste. Von solchen Erlebnissen gönnt man sich doch sonst im Schulalltag viel zu wenige. Lewinsky hat an diesem Tag 250 neue Fans gewonnen!

2. Oppumer Rocknacht
Dann gingen die Vorbereitungen in die heiße Phase. Neben der Bildung von Fahrgemeinschaften, der Verteilung von Kleingruppen auf aufsichtsbereite Eltern und sonstigen organisatorischen Vorarbeiten war eine entscheidende Frage natürlich das Styling. Irgendwie rockig sollte es sein, und natürlich bunt. „Frau Oyen, ich habe eine Lederjacke und ganz große Kreolen. Ist das rockig genug?“ „Sollen wir uns auch schminken?“ „Ich mach mir die Haare soo hoch“.... Sogar per WhatsApp bekam ich Fotos geschickt von Kindern in unterschiedlichen Outfits mit der Bitte, das Beste auszuwählen. Bei der Generalprobe am Samstagvormittag im Zelt an der Kronland-Brücke kamen denn auch viele schon perfekt gestylt. Mit ihren Engelsstimmen füllten sie vom ersten Ton an das Riesenzelt, sauber, homogen und voller Kraft. „Die brauchen gar keinen Verstärker“, meinte der Tontechniker. An dieser Stelle hätte ich besser aufpassen müssen, aber hier rächte sich, dass ich von Haus aus keine Rockmusikerin bin: Letztendlich waren die Kinder nur in der Mitte des Zeltes zu hören, an den Seiten war der Ton gestört, aber was noch schlimmer war, der Gesang der Kinder wurde nicht über die Monitorboxen geführt, die Bands zur Selbstkontrolle immer brauchen, sodass sie sich selbst nicht hören konnten.
Der Abend nahte. Unser Auftritt verzögerte sich, alle Kinder kamen überpünktlich. In der einstündigen Wartezeit, die wir neben der Bühne verbrachten, schaukelte sich die Aufregung hoch. Dank an alle Eltern, die mit uns ausgeharrt haben! Schummriges Licht, laute Musik aus den direkt neben uns platzierten Boxen, Stimmengewirr von ca. 3000 Besuchern...- ich konnte nur hoffen, dass keins meiner Schäfchen verloren ging. Allerdings hatten die Organisatoren mir eine massige, resolute Frau des Sicherheitsdienstes an die Seite gestellt. Die überwachte den Eingang zum Backstage-Bereich und ließ wirklich niemanden durch- nicht einmal Herrn Muti, da halfen auch meine Beteuerungen, dass dies unser stellvertretender Schulleiter sei, nichts. „Interessiert mich doch nicht, wer das ist!“
Endlich durften wir auf die Bühne, angekündigt von Steff, dem Frontsänger von Lewinsky, und angestarrt von 3000 Augenpaaren. Die Kids blieben taff, zogen ihr Ding durch, obwohl sie sich selbst kaum hören konnten, machten das Beste draus und lieferten die perfekte Show ab. Auch Jakob Speck unser Solist, zog alle Register. Ich hatte ihm vorher empfohlen, die Performance mit seinem großen Bruder aus der Q2 zu üben. Das hat der wohl gut gemacht. Jakobs erster Schritt zur Rocksänger-Karriere ist getan. Natürlich gab´s zum Schluss auch noch ein Gesangs-Battle mit dem Publikum. Bei dem Wunsch, das Publikum an Lautstärke zu übertreffen, vergaßen meine lieben Chorsänger vor lauter Begeisterung alles, was sie jemals bei mir gelernt hatten, und verloren sich intonatorisch vollends im Nirvana. Aber was soll´s? „Dieser Chor ist NOCH der Chor vom MSM“, hatte Steff zu Anfang unseres Auftrittes gesagt, „aber wir werden ihn heute zum Lewinsky-Chor machen!“ OK, Ziel erreicht! Auftritt erledigt, runter von der Bühne, noch warten, bis alle abgeholt sind (Schwierigkeiten und Verwirrungen eingeschlossen, alles in der tosenden Menge...!), was danach kam, habe ich nur noch in Trance erlebt: Ehemalige und aktuelle Schüler begrüßten oder beglückwünschten mich, wollten von früher erzählen... Ich weiß das alles nicht mehr so genau. Entschuldigt, wenn ich mich nicht mehr so richtig mit Euch unterhalten habe! Ich war einfach nur noch durstig und unheimlich müde. Noch selten habe ich, im Rahmen meiner nun fast 40-jährigen Lehrtätigkeit, einen Auftritt erlebt, der so kurz , und dabei gleichzeitig so anstrengend war, wie dieser. Aber wahrscheinlich hat auch noch keiner so viel Spaß gemacht! Danke an die Eltern, die mitgemacht und an allen möglichen Stellen geholfen haben. Dank an die Organisatoren der DJK Oppum! Aber vor allem: Danke, Lewinsky!

Veronika Oyen-Rademacher