Rolf und Nico Kamp: Zeitzeugen des Holocausts am MSM

Am 19. Juni 2017 hatten wir, etwa fünfzig Schülerinnen und Schüler des MSM, die Möglichkeit, die Geschichte von Rolf und Nico Kamp zu hören. Die Brüder Kamp sind Zeitzeugen aus dem 2. Weltkrieg, welche den Holocaust durch mehrere glückliche Zufälle und durch die Hilfe anderer überlebten. Bevor Rolf und Nico Kamp ihre Geschichte am MSM erzählten, waren sie zu Besuch beim Oberbürgermeister, denn es war ihnen wichtig, auch ihre eigentliche Heimatstadt über die Ereignisse aufzuklären. Schließlich hat die Familie Kamp ihre Wurzeln in Krefeld, denn die Eltern der Gebrüder Kamp besaßen hier eine erfolgreiche Fabrik. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen und sich die Situation mit den Novemberpogromen 1938 immer weiter zuspitzte, wanderte die Familie Kamp in die Niederlande aus, in der vergeblichen Hoffnung, dort sicher zu sein. Als sie nach dem Einmarsch der Deutschen untertauchen mussten, teilte sich die Familie auf. So waren Nico und Rolf Kamp nun weitgehend auf sich alleine gestellt. Die beiden kleinen Kinder wechselten 13-mal das Versteck, um überleben zu können. Die längste Zeit versteckten die beiden sich auf einem Bauernhof in den Niederlanden, dort wurden sie auch fast gefunden, jedoch schafften sie es durch viel Glück immer wieder, zu entkommen.
Später erst erfuhren sie, dass ihre restliche Familie, Eltern und Großeltern, weniger Glück gehabt hatten und nach ihrer Entdeckung nach Auschwitz deportiert wurden. Vater und Großeltern wurde sofort umgebracht, die Mutter überlebte mit Hilfe und erzählte erst spät ihre Geschichte aus dem Lager. So stellte sich heraus, dass sie zusammen mit Anne Frank im letzten Zug gewesen war, der aus den Niederlanden nach Auschwitz gefahren war.
Während des Besuches versuchten die Gebrüder Kamp jedoch, nicht nur ihre persönliche Geschichte zu erzählen. Sie betonten auch immer wieder, wie wichtig es ist, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden und dass jeder die Chance hat, Unrecht zu verhindern. So solle man immer etwas dagegen tun, wenn man merke, dass sich die Verhältnisse ins Negative veränderten.
Zu Gast waren auch die Ehefrau Nico Kamps, die den Holocaust ebenfalls in einem Versteck überlebte, und Karin Kammann, die wie die Brüder aus Krefeld stammt, und die die Geschichte der Familie Kamp aufgeschrieben und um etliche Informationen aus der Zeit vor 1933 ergänzt hat. In diesem Sommer erscheint die Darstellung unter dem Titel „Die Geschichte der Gebrüder Kamp“.
Abschließend zählt sicherlich am meisten, dass wir Schülerinnen und Schüler etwas Wichtiges aus dem Vortrag der Brüder Kamp mitgenommen haben. So habe ich für mich selbst gelernt, dass man stets zwischen Gut und Böse entscheiden und dass auch meine einzelne Stimme etwas bewirken kann. Ich fand den Vortrag sehr gut und interessant, da er mich persönlich weitergebildet und mir außerdem eine neue, unmittelbare Sichtweise auf den Holocaust ermöglicht hat.

Juliane Hampl (Q1)