Anne-Frank-Lesung am Holocaust-Gedenktag

Mit einer szenischen Anne-Frank-Lesung haben die Schüler der neunten Klassen am MSM am 27. Januar der Opfer des Holocaust gedacht. An diesem internationalen Gedenktag erinnern sich weltweit Menschen aus aller Welt an die über sechs Millionen ermordeten europäischen Juden während der Zeit des Nationalsozialismus. Anne Frank, geboren am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main und gestorben im Frühjahr 1945 im KZ Bergen-Belsen, war eine deutsche Jüdin und hielt sich mit ihrer Schwester Margot, ihrem Vater Otto Frank und ihrer Mutter Edith in dem berühmten Hinterhaus in der Prinsengracht 263 in Amsterdam versteckt. Am 27. Januar 2017 ist es vormittags dunkel in der MSM-Aula, bis in einem Video Einblicke aus einem Briefverkehr zwischen Otto Frank und den deutschen Behörden, in dem sich dieser immer wieder ohne Erfolg um einen Antrag auf Emigration bemüht, gezeigt werden. Nach der kleinen Präsentation tritt die Schauspielerin Berit Vander ins Licht, die den Schülern Auszüge aus Anne Franks Tagebuch vorliest. Mit ihrem dunklen Gewand und den schulterlangen Haaren hat sie ein wenig Ähnlichkeit mit Anne. 

Sie beginnt mit dem Satz: „Papier ist geduldiger als Menschen.“ Damit bezieht sie sich auf ein weiß-rot kariertes Tagebuch, das sie in den Händen hält. Da Anne sich verstecken musste, hatte sie keinen Kontakt mehr zur Außenwelt und nannte ihr Tagebuch Kitty, dem sie alle ihre Gefühle und Geschehnisse aus dem Hinterhof anvertraute.

Die junge Schauspielerin setzt sich auf der Bühne an einen Schreibtisch und liest zunächst einen Eintrag vom 20. Juni 1942 vor. Die Familie ist in die Niederlande ausgewandert, um der Herrschaft der Nationalsozialisten zu entfliehen. Anne und Margot gehen zu dieser Zeit noch in Amsterdam zur Schule und halten sich nicht versteckt. Danach folgt ein Eintrag vom 5. Juli, an dem Margot einen Aufruf bekommt. Die Familie soll in ein Arbeitslager deportiert werden. Nun müssen sich die Franks verstecken. Anne ist zutiefst erschrocken und beschreibt in ihrem kleinen Notizbuch immer weiter ihren Alltag im abgelegenen Hinterhaus. Langsam reift Anne zur jungen Frau heran. Am 9. Oktober werden jüdische Bekannte der Familie Frank von der Gestapo festgenommen. Anne erzählt außerdem auch von den schlimmen Umständen, die in den Konzentrationslagern herrschen.

Zwischendurch sehen die Schüler Bilder des fast leeren Hinterhauses, welches heutzutage ein Museum ist. Der Eingang zum Versteck war ein Bücherregal, das man verschieben konnte. In einigen Einträgen aus 1944 schreibt das jüdische Mädchen immer mehr private Dinge auf und erzählt, dass sie sich in Peter van Pelss, den sie schon länger kannte, verliebt hatte. Auch Peter lebte im Amsterdamer Versteck. Am 6. Juni 1944 notiert Anne, dass das Hinterhaus in Aufruhr ist und alle auf die große Befreiung hoffen. Doch am 10. August kommt es anders und die Juden aus dem Hinterhaus, unter anderem Anne, werden verraten und von den SS Männern abgeholt. Anne stirbt vermutlich im Februar im KZ Bergen-Belsen.

Die Lesung wurde organisiert von den jungen Schlossfestspielen Neersen. Berit Vander ist im Schauspielhaus Düsseldorf tätig. Sie bereitete sich auf die Rolle Anne Frank vor, indem sie das Tagebuch immer und immer wieder las. Sie sagte, ihr habe die Rolle Spaß gemacht und dass sie das Thema sehr interessant fand. An Anne Frank schätzt sie, dass sie so selbstreflektierend war.

Nele J., 9a